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Sonntag, 16. Dezember 2012

Krokodilstränen

Quelle: thesun.co.ukIn den USA hat wieder einmal ein bewaffneter Irrer ein Massaker veranstaltet. In einer Schule tötete der Mann 26 Menschen, darunter 20 Kinder. Die ganze Welt trauert mit den Amerikanern, US-Präsident Barack Obama hielt eine emotionale Ansprache, forderte Konsequenzen und vergoss falsche Tränen.

Es spielt keine Rolle, wo derartige Massaker stattfinden, der Tod Unschuldiger ist immer zu beklagen. In diesem Fall geschah das Massaker in einer Schule in Connecticut. Die Opfer sind Kinder und Lehrer. Der Mörder galt bis dato als „unauffällig“. Viele Fragen stehen noch offen. So ist unklar, wie der Mann in die streng überwachte Schule überhaupt bewaffnet eindringen konnte. Von den Medien wird der Mann weiterhin als „Amokläufer“ bezeichnet. Da er keinen muslimischen Hintergrund hat, ist der Ausdruck „Terrorist“ wohl unangebracht.
Kurz nach dem Massaker hielt US-Präsident Obama eine Ansprache an das amerikanische Volk. In dieser Rede zeigte sich Obama sehr emotional. Immer wieder schwieg er einige Sekunden lang, Tränen liefen über sein Gesicht. Der Präsident drückte seine Trauer aus, denn die meisten Opfer waren Kinder. „Diese Kinder hatten noch ihre ganze Zukunft vor sich, Geburtstage, Abschlussfeiern, Hochzeiten und eigene Kinder“, so Obama. Als Vater fühle er außerdem den Schmerz der Eltern mit.


Weltweit wurden diese Bilder gezeigt und es wurde der Eindruck erweckt, wie „emotional und menschlich“ dieser Präsident sein kann. Zum gleichen Zeitpunkt töten jedoch Obamas Drohnen weiterhin unschuldige Kinder in Afghanistan, Pakistan und im Jemen. Hatten diese Kinder etwa keine Zukunft vor sich? Hätten sie nicht auch gerne ihre Geburtstage gefeiert oder eines Tages selbst Kinder bekommen? Werden diese Kinder überhaupt als Opfer mitgezählt? Oder sind sie nicht gleichwertig, weil sie keine US-Bürger sind? Tatsächlich befanden sich unter diesen Opfern auch amerikanische Staatsbürger, und zwar ein Mann und sein sechzehnjähriger Sohn.
Mittlerweile wurden über 3.000 Menschen durch Drohnenangriffe umgebracht. Achtzig Prozent von ihnen waren Unschuldige, die nichts mit Terroristen oder anderweitigen CIA-Erfindungen zu tun hatten. Viele von ihnen waren Kinder. Kein einziges Mal hat der Präsident auch nur seine Anteilnahme an diese zivilen Opfer geäußert. Kein einziges Mal vergoss der Präsident auch nur eine einzige Träne und kein einziges Mal sprach er in dieser Hinsicht von „väterlichen Gefühlen“. Stattdessen unterschreibt er weiterhin jeden Drohnenabschuss höchstpersönlich und toleriert es, dass seine Regierung sowie sein Geheimdienst jeden getöteten Jungen ab dem neunzehnten Lebensjahr als „bewaffneten Kämpfer“ einstufen.

Diesbezüglich ist man Doppelmoral von Barack Obama gewöhnt. Als israelische Streitkräfte vor einigen Wochen den Gaza-Streifen angriffen, rechtfertigte Obama die Reaktion Israels und meinte, dass es kein Land auf dieser Erde tolerieren würde, ständig mit Raketen beschossen zu werden. Anscheinend hat der US-Präsident die Länder, die das Ziel seiner Drohnen sind, nicht mitgezählt. Vielleicht denkt er auch einfach nur, dass die erwähnten Staaten in dieser Hinsicht eine „lockere Einstellung“ haben und „cool“ bleiben.

Das Massaker in den USA ist schon das dritte seiner Art in diesem Jahr. Immer wieder verspricht man Maßnahmen und Konsequenzen, doch passiert ist bis jetzt nichts. Daran werden auch die zahlreichen Demonstranten vor dem Weißen Haus nichts ändern, denn der Lobbyismus der Waffenindustrie in den Vereinigten Staaten ist zu stark und einflussreich. Verbände wie die National Rifle Association (NRA) gehören seit eh und je zu den größten Unterstützern des US-Wahlkampfs. Dementsprechend lassen sie nach den Wahlen ihren Einfluss freien Lauf.

Die NRA betrachtet das Recht auf den Besitz einer Waffe als kulturelles Gut der USA und will daran auch nichts ändern. Viele Amerikaner unterstützen diese Haltung und tragen dazu bei, dass jährlich in den USA 30.000 Menschen durch Schusswaffen getötet werden. Damit werden jedes Jahr mehr US-Bürger im eigenen Land erschossen, als bei Kriegseinsätzen im Ausland.

Seit 1964 kam es zu 31 derartigen Massakern in den USA. Kurz darauf wurde immer wieder von baldigen Waffenreformen gesprochen. Diese sind schon längst überfällig, kamen aber nie zustande. Das wird wohl auch weiterhin so bleiben. Daran werden Obamas Krokodilstränen auch nichts ändern können.


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