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Dienstag, 30. April 2013

Bankster-Manipulationen. Nach LIBOR nun ISDAfix

Es gibt keine Preise, welche die Banken nicht manipulieren

An die Verschwörungstheoretiker der Welt und all diejenigen, die an die steuernden Hände der Rothschilds, Freimauer und Illuminaten glauben, wir müssen uns entschuldigen. Sie haben Recht behalten. Die Drahtzieher mögen vielleicht etwas anders zusammengesetzt sein, aber Ihre grundsäztzlichen Annahmen sind korrekt: Die Welt ist ein Betrugs-Kasino. Wir haben das in den letzten Monaten herausgefunden, als eine Reihe miteinander verknüpfter Korruptionsskandale aus dem Finanzsektor bekannt wurden, die darauf hinweisen, dass die größten Banken der Welt die Preise von….ja, fast von allem festlegen.


Sie haben sicher vom LIBOR-Skandal gehört, bei dem bis zu 16 – der “too-big-to-fail”-Banken die weltweiten Zinsen manipulierten und dabei mit den Preisen von Finanzinstrumenten bis zu einem Umfang von 400.000 Milliarden Dollar herumfuhrwerkten. Für institutionelle Marktteilnehmer ist der Libor der Basiszins für eine grosse Zahl von Finanzprodukten wie Futures, Optionen sowie Swaps, und für die Geschäftsbanken ist er die Basis für die Festlegung der Zinsen für Kredite, Sparkonten und Hypotheken. Am Libor hängen also auch Kreditkonditionen für Kleinsparer, wenn diese etwa Hypothekendarlehen oder Studentenkredite abschliessen, mit der Kreditkarte einkaufen oder Geld für grössere Anschaffungen wie Möbel oder ein Auto aufnehmen.

Als der Betrug letztes Jahr in die Öffentlichkeit kam, konnte es leicht als der größte Finanzskandal in der Geschichte identifiziert werden. MIT-Professor Andrew Lo meinte, der Libor-Skandal übertreffe jegliche Betrügerei in der Geschichte der Märkte um Größenordnungen.
Als ob das nicht schlimm genug gewesen wäre, stellt sich nun heraus, dass der LIBOR einen Zwillingsbruder hat. Das Gerücht geht, dass die in London ansässige Firma ICAP, der Welt größter  Inter-Dealer-Broker, von den amerikanischen Behörden unter die Lupe genommen wird. Die Geschäftspraktiken in der Firma ähneln denen beim LIBOR-Skandal. Die Regulierungsbehörden versuchen herauszufinden, ob nicht eine kleine Gruppe von Händlern bei der ICAP mit bis zu 15 der größten Banken der Welt zusammengearbeitet haben, um den ISDAfix zu manipulieren. So bestehe seitens der der US-Finanzaufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) der Verdacht, dass ICAP die Übermittelung eigener Preisveränderungen so lange zurückgehalten hätte, bis bestimmte eigene Geschäfte, die von diesen Quoten abhingen, abgewickelt waren.
Organisiert werden diese Quoten von der in New York angesiedelten “International Swaps and Derivatives Association” (ISDA), der alle internationalen Großbanken und die wichtigsten Broker/Dealer angehören und die die Regeln und Standards im privaten Derivatenhandel festlegt.
Die ISTAfix-Quoten bieten dabei Referenzwerte zur Berechnung der Preise von so genannten Over-the-Counter (nicht über öffentliche Börsen gehandelten) Derivaten, die vor allem bei der vorzeitigen Auflösung und beim Cash-Settlement von Kontrakten sowie bei der Bewertung von Portolios genutzt werden. Benötigt werden sie bei Zins-Swaps, bei denen im einfachsten Fall fixe gegen variable Zinszahlungen getauscht werden (“to swap” engl. für “tauschen”), wobei sich der Wert der Kontrakte mit jeder Marktbewegung verändert, was tagesaktuell anhand der von ISDAfix quotierten Preise verfolgt werden kann.

Betroffen sind etwa große Städte und Unternehmen, die versucht haben, ihre Zinsrisiken mit Swaps abzusichern; und fast alle Emittenten von Schulden optimieren damit ihre Portfolios. Vermutlich könnte etwa die Stadt Linz, die aufgrund gescheiterter Swap-Geschäfte aktuell nur eine Gerichtsentscheidung von der Pleite entfernt ist, durch die ISDAfix-Manipulationen zusätzliche Verluste in Millionenhöhe erlitten haben – ohne dies aber jemals beweisen oder auch nur feststellen zu können.

Da die Manipulationen zudem in beide Richtungen erfolgt sind, könnte davon theoretisch jeder Marktteilnehmer zufällig auch profitiert haben, und so bleibt zu erwarten, dass wie beim LIBOR-Skandal die Geschädigten in der Regel viel zu weit von den Profiteuren entfernt sind, als dass Schäden nachgewiesen, zugeordnet und gerichtlich geahndet werden könnten.
Dass die Angelegenheit von den Großbanken wohl dennoch ernst genommen werden wird, ist klar, seit Barclays, UBS und Royal Bank of Scotland zusammen 2,5 Milliarden Dollar für den LIBOR-Skandal haben aufwenden müssen. Dazu kommt der in den letzten Monaten erfolgte Rückzug großer Geldhäuser wie der britischen HSBC Holdings und der japanischen Mizuho Financial Group von der ISDA-Datenbereitstellung. Es verbleibt freilich das Who is Who der internationalen Bankenszene: Bank of America Merrill Lynch, Barclays, BNP Paribas, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Nomura, Royal Bank of Scotland, UBS, Wells Fargo und natürlich auch die Deutsche Bank.

Quellen:
http://www.politaia.org/wirtschaft/banken/die-zeichen-stehen-fur-die-bankster-auf-sturm-libor-machts-moglich/

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