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Dienstag, 22. Februar 2011

Was wollte Westerwelle im Iran?


Auf den Titelseiten großer deutscher Zeitungen findet man momentan Meldungen, dass sich die beiden im Iran inhaftierten BamS-Journalisten nach vier langen Monaten endlich wieder auf freiem Fuss befinden. Aussenminister Guido Westerwelle sei Kraft seines Amtes eigens in den Iran gereist, um die beiden Staatsbürger zu befreien, so zahlreiche Beiträge. 

Schnell denkt man hierbei an einen autoritär auftretenden Minister, welcher iranische Politiker, Richter und Geistliche in Robin Hood-Manier mit erhobenem Zeigefinger in den Senkel stellt. Doch gibt es in der sachlichen Berichterstattung wahrhaftig Unterschiede zwischen deutschen und iranischen Medien. Steht in Deutschland die heldenhafte Befreiung der beiden Journalisten im Vordergrund, scheint das im Iran eher weniger Beachtung zu finden. Ganz im Gegensatz zu “bilateralen Beziehungen”, weswegen unser Außenminister angeblich in erster Linie dort hinreiste. Man beachte auch die fast identischen Formulierungen der Pressezitate, welche uns wie gewohnt auf schwach recherchierten Copy/Paste-Journalismus mit ausschließlichen Informationen aus Mitteilungen der deutschen Presse-Agentur (dpa) rückschließen lassen.

Das schreibt die deutsche Presse

“Nach mehr als vier Monaten in iranischer Haft sind die beiden “Bild-am-Sonntag”-Reporter wieder in Deutschland. Begleitet von Außenminister Guido Westerwelle landeten sie am frühen Sonntagmorgen in Berlin. Der FDP-Chef war eigens in die iranische Hauptstadt geflogen, um die Journalisten mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen.” SPIEGEL Online



Nach mehr als vier Monaten Haft im Iran sind die beiden „Bild am Sonntag“-Reporter wieder in Deutschland. Begleitet von Aussenminister Westerwelle landeten die Journalisten am frühen Sonntagmorgen in Berlin. Auch Kanzlerin Merkel ist erleichtert. Focus


Nach mehr als vier Monaten in iranischer Haft sind die beiden “Bild am Sonntag”-Reporter wieder in Deutschland. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte, landeten sie begleitet von Außenminister Guido Westerwelle am frühen Sonntagmorgen auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Der FDP-Chef war eigens in die iranische Hauptstadt geflogen, um die beiden Journalisten mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu holen. Stern


Das schreibt die iranische Presse
Ahmadinedschad bezeichnete bei diesem Treffen den Respekt für die Unabhängigkeit der Völker als Grundlage für den Ausbau der bilateralen Beziehungen und sagte, es sind günstige Bedingungen für eine Zusammenarbeit zwischen Teheran und Berlin vorhanden. Die Anerkennung der Unabhängigkeit der Völker sowie eine Zusammenarbeit gestützt auf Respekt und Gerechtigkeit gehören zu den Prinzipien, auf die sich Iran und Deutschland bei ihren Kooperationen stützen müssen, so Ahmadinedschad. Wie der iranische Präsident weiters sagte, begrüße Teheran Gespräche und Verhandlungen mit Regierungen und Völkern, die im Rahmen von Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt geführt werden. Westerwelle verwies bei dieser Unterredung seinerseits auf die tiefen Beziehungen zwischen dem iranischen und dem deutschen Volk und sagte: „Berlin tritt für den Ausbau der beidseitigen Bindungen und Zusammenarbeit in internationalen Fragen ein.“ IRIB World Service


Ausländische Medien schweigen über die Gründe des Besuchs des deutschen Außenministers im Iran. Der deutsche Aussenminister reiste gestern Abend in den Iran zu einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten, was von ausländischen Medien boykottiert wird. Westerwelle antwortete auf eine Frage zu den beiden im Iran verhafteten deutschen Staatsangehörigen: “In dieser Sitzung stehen bilaterale Beziehungen und internationale Gespräche im Vordergrund”. Iranische Nachrichtenagentur IRNA
Nicht dass ich der iranischen Presse mehr oder weniger Glauben als der deutschen Presse schenken würde, aber hier werden auf deutscher Seite ganz offensichtlich einige Details ausgeblendet. Ahmadinedschad wird uns hierzulande als böser Diktator verkauft, der Israel gerne von der Landkarte fegen würde, was sich allerdings als “Übersetzungsfehler” seitens dpa und Spiegel herausstellte. Der Iran provoziere die USA, heisst es, sei es auch nur mit uralter Atomtechnologie. Wozu also bilaterale Beziehungen mit dem Schurkenstaat Iran? Jedenfalls sollten wir offenbar nicht unbedingt erfahren, dass diese existieren bzw. gepflegt werden. Grund genug für uns an diesem Thema dran zu bleiben!

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