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Dienstag, 8. Februar 2011

Westerwelle, die Sprache und die Politik



Einer meint, grenzenlos zu sein. Man muss wahrlich kein Genie sein, um zu erkennen, was uns der große Vorsitzende und Freund der Kryptographie sagen will.


Noch im Mai 2010 hat er folgendes von sich gegeben: “Mubarak ist ein Mann mit enormer Erfahrung, großer Weisheit und hat die Zukunft fest im Blick.”

Jetzt aber hat er uns belehrt, woher die Oppositionsbewegungen in Tunesien, Ägypten, im Jemen und in Jordanien kommen. Es sei, so wusste der deutsche Außenminister, “ein Aufbegehren der Mittelschicht”. Wenn der Oberliberale das Wort “Mittelschicht” in den Mund nimmt, schwingt beim Zuhörer immer “Steuererleichterungen” mit. Denn Westerwelles Mittelschicht-Leistungsträger müssen entlastet werden. Das ist das Mantra, das zum einzigen Politikinhalt des FDP-Vorsitzenden geworden ist. Quelle: Der tägliche Westerwelle http://bit.ly/eFsfrf

Die meisten Wissenschaftler sind sich heute grundsätzlich einig, dass politische Sprache in einem konstruktivistischen Sinne am Herstellungsprozess von Realität beteiligt ist.

Die Ausfälle des Guido Westerwelle.

Über die sprachlichen Ausfälle des FDP-Vorsitzenden wird häufig debattiert. Das entspricht seiner kühl kalkulierten Strategie. Es ist die alte Strategie des TEILE UND HERRSCHE, der Versuch, in den abzusehenden Verteilungskämpfen, die am meisten Betroffenen aufeinanderzuhetzen.

Ich halte es für einen großen Fehler, anzunehmen, es handele sich um einen Verzweiflungsakt zur Absicherung parlamentarischer Mehrheiten. Der gleichen Sprachmuster bedient er sich seit langem. Nur hielt die veröffentlichte Meinung das lange Zeit nicht für erwähnenswert.

Jetzt, wo er selbst bei den eigenen Leuten wegen der weglaufenden Wähler sein vermeintliches Charisma verloren hat, ist er etwas vorsichtiger geworden.

Merke: Der Rücktritt von einem Amt fällt manchem Politiker zwar schwer, ist jedoch möglich. Der Rücktritt von der Stimmabgabe fiele manchem Wähler zwar leicht, ist jedoch nicht möglich.

Der Ausspruch von Mark Twain, „Tatsachen muß man kennen, bevor man sie verdrehen kann“, ist hier nicht anwendbar. Westerwelle kennt die Tatsachen, die er verdreht, sehr genau.

Die Ökonomisierung der Sprache.
Demokratischer Sozialismus, das ist so eine Art vegetarischer Schlachthof."

58. ordentlicher Parteitag der FDP in Stuttgart, 2007 http://bit.ly/aSCODJ
Er nimmt gar in Abwandlung des Begriffs WANDEL DURCH ANNÄHERUNG die chinesische KP als Kronzeugen in Anspruch.

Das Prinzip "Wandel durch Handel" hat selbst bei der Auflösung des Ostblocks in den Achtzigerjahren und beim Aushöhlen des Mauer-Regimes der DDR einen wesentlichen Beitrag geleistet. Erstaunlicherweise hat dies gerade auch der chinesische Ministerpräsident gesagt: Dort sei der weitere wirtschaftliche Aufbau ohne demokratische politische Reformen undenkbar.

Am 15. September 2008 in DIE WELT http://bit.ly/daZM9p

"Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein." http://bit.ly/d1xIbO

Da macht sich derselbe Westerwelle, der mit großer Vehemenz gegen die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes opponiert, plötzlich Sorgen um alleinerziehende Mütter.

Und ich finde es auch nicht in Ordnung, dass eine alleinerziehende Mutter sich den ganzen Tag an die Supermarktkasse setzt, hart arbeitet, und trotzdem nicht mehr hat, als wenn sie es ließe. Das muss doch endlich wieder verändert werden in diesem Land. Und wenn man das nicht mehr aussprechen darf, dann haben wir in Deutschland sozialistische Denkverbote. Ich bleibe ausdrücklich bei dieser Bezeichnung. G.W. am 14.02.2010 im Deutschlandfunk http://bit.ly/9jU007
Sprache und Arbeiterbewegung
Ich will an dieser Stelle nur einen kurzen Hinweis darauf geben, dass die Organisationen der Arbeiterbewegung sich immer des Zusammenhangs von Sprache und Realitätsbildung bewusst waren. In den Arbeiterparteien und Gewerkschaften wurde z.B. das DUZEN ganz bewusst als Mittel der Identitätsstiftung eingesetzt, um Gegenmacht aufzubauen.

Siezt Du noch oder Duzen Sie schon?
Die Du-Reform wird in Schweden allgemein als demokratischer und egalitärer Fortschritt betrachtet. Sie wurde wahrscheinlich auch dadurch erleichtert, dass die Anrede in der zweiten Person Plural (schwedisch: ni) schon vorher als kalt und herablassend empfunden wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Du-Reform

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