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Dienstag, 4. Januar 2011

32-seitiger Weckruf wird in Frankreich zum Bestseller

93-jähriger Autor ruft die jüngeren Generationen auf, das Erbe der Resistance anzutreten.

Paris - Mit 500.000 verkauften Exemplaren ist ein drei Euro teures und 32 Seiten kurzes Bändchen in Frankreich zum Überraschungsbestseller avanciert. Geschrieben hat "Indignez-vous!" ("Empört euch!") der 93- jährige frühere Resistance-Kämpfer Stéphane Hessel.

"Die Grundmotivation der Resistance war die Empörung. Wir, die Veteranen der Widerstandsbewegung, rufen die jüngeren Generationen dazu auf, das Erbe der Resistance und ihre Ideale zu leben und weiterzugeben. Wir sagen ihnen: Nehmt das Steuer in die Hand und empört euch!", schreibt der 93-jährige Holocaust-Überlebende und frühere UNO-Botschafter.
Stéphane Hessel wurde 1917 in Berlin als Sohn des jüdisch-deutschen Schriftstellers Franz Hessel geboren und ist seit 1939 französischer Staatsbürger. 1941 schloss er sich der Resistance an, 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald deportiert. Auf einem Gefangenentransport gelang ihm 1945 die Flucht. Nach Kriegsende wurde er Frankreichs Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York. Hessel ist der einzige noch lebende Mitautor der Charta der Menschenrechte von 1948.

Genügend Gründe zur Empörung

Jetzt, "wo das Ende naht", wendet sich der glühende Sozialdemokrat an die Jugend. Er will ihr helfen, herauszufinden, worüber man sich empören sollte. Das sei unter den heutigen, komplexen Verhältnissen ungleich schwieriger als zu Zeiten der Nazis und der nachfolgenden Entkolonialisierung. In Frankreich nennt er die Politik von Präsident Nicolas Sarkozy, die Immigrantenfeindlichkeit, die Einsparungen bei der Rentenreform und die "unverschämte" Macht des Geldes und seiner Diener.

Weltweit prangert er "die Diktatur der Finanzmärkte" an und die Schere zwischen Armen und Reichen, die sich immer weiter öffnet. Die Blockade des Gazastreifens bezeichnet Hessel als das, was ihn am meisten empört. Hessels Werk wurde am 20. Oktober 2010 in 8.000 Exemplaren vom kleinen südfranzösischen Verlag Indigene zum moderaten Preis von drei Euro veröffentlicht. Im Moment ist die 11. Auflage in Druck, "das macht 800.000 Exemplare!", freut sich die Verlegerin Sylvie Crossman.
Und der Erfolg beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Frankreich. Anfragen für Übersetzungen trudeln aus ganz Europa ein, aber auch aus den USA und Südkorea.

1 Kommentar:

  1. Ich warte, als nicht mehr ganz so junger Mensch, schon ein Weilchen auf die ersten "Altvorderen", die aus ihren Pensionsstühlen aufstehen und Tacheles reden - ganz einfach weil ich als einer an der Zeitgeschichte des vergangenen Jahrhunderts (wenigstens)Interessierter mir hinsichtlich aller relevanten Fakten , Indizien und Quellen dazu an allen zehn Fingern abzählen kann wie derzeit wieder einmal "Geschichte" geschrieben wird und sich -einmal mehr - sinnlos wiederholt.

    Wie erst muss es dann in den Köpfen und Herzen jener Generationen aussehen, die den vorherigen Akt als direkt Betroffene bzw. Folgeopfer selbst erlebt haben? Wieviele werden wohl und noch insgeheim " das erinnert mich alles ein bisschen zu sehr an die bitteren Dekaden mit Zwei Weltkriegen inkl. Weltwirtschaftskrise" zu sich oder anderen sagen ?

    Es ist wichtig, dass unsere "Alten" gehört werden und sich selbst eine Stimme geben.

    Nicht das grantig-verbitterte Gekeife lebensmüder aber dennoch irgendwie beratungsresistent-wertekonservativ-linientreu gebliebener Rentner sondern das Bekenntnis zu den eigenen Empfindungen,Befürchtungen und Erfahrungen hinsichtlich der Schatten, die da drohend über uns aufziehen und die diese Bevölkerungsgruppe mutmaßlich besser kennen sollte als der amerikanisch-römisch-dekadente Nachwuchs (wir Nachgeborenen hier in Legoland).

    Also meine lieben Altvorderen:

    Macht Euch einfach klar , dass unsere lieben Regierungen Euch nur brauchen um Euch als mopsfidele u. angeheiterte Doppelherz-Pharma- Konsumenten und Spaßpensionäre vorzuführen, dabei noch locker den Vorsorge-Renten-Sparstrumpf mitzunehmen/auszuplündern und Euch in vollanimitierten Freizeit- und Lebensabend-Bespassungs-Institutionen verdummen zu lassen um "Golden Girls" und dümmliche Ratgeber im Frühstücks-TV anzuglotzen oder Arztpraxen mit höchstwahrscheinlich zumeist vermeidbaren Leidensgeschichten zu füllen.

    Entscheidet Euch: Ihr seit sowieso die Ersten und Letzten aller Generationen die von Versprechungen und Segnungen des Wirtschaftswunderlandes D profitiert haben (werden).

    Wirtschaftswunderland ist abgebrannt.

    Tief drinnen wissen das wohl vielmehr von uns allen, als sie zugeben können oder möchten - so sehr, dass sie es sogar eher noch als "verdiente Strafe für allgemein bekannte Sünden jeglicher Art" auffassen würden um nicht hinschauen zu müssen.

    DAS IST BLOEDSINN !!!!!!!!!

    Also:

    Scheissegal und Sintflut oder doch ein Fünkchen Zorn und Sinn für Anstand und Integrität entfacht ?


    rugay

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