Aktuell

Dienstag, 25. Januar 2011

Warum verheimlicht die Presse Bidens Eingeständnis?

Wenn der stellvertretende Präsident eines kriegführenden Landes an der Richtigkeit des Krieges zweifelt, sollte dies eigentlich für Schlagzeilen sorgen. Nicht so, wenn es um den Einmarsch in den Irak geht. Nicht so, wenn es sich um die Aussage des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden handelt. Neben einer russischen Zeitung und Radio Havanna erwähnte eine internationale Presseagentur diese Aussage nur beiläufig. Bei der, dem Angriff gegen den Irak vorangegangenen, Abstimmung im US-Senat, gehörte Joe Biden als Senator übrigens zu den Befürwortern. 


 Anlässlich einer Parteikonferenz der Demokraten im US-Bundesstaat Maryland hielt Joe Biden, im Auftrag von Präsident Obama, am vergangenen Freitag eine einstündige Rede zum Thema der amerikanischen Außenpolitik. Wie anfangs erwähnt, gehörte Joe Biden im Jahr 2002 zu den Befürwortern des Angriffs gegen den Irak, wie er von der damaligen Regierung unter George W. Bush, trotz weltweiter Proteste, gefordert wurde. Jetzt, acht Jahre später, äußerte er Zweifel, ob er sich noch einmal so entscheiden würde, ließe sich das Rad der Geschichte zurückdrehen. Ohne auf die Opferzahlen unter der irakischen Bevölkerung einzugehen, verwies er auf 4.439 gefallene amerikanische Soldaten und 32.000 Verwundete, von denen zumindest die Hälfte für den Rest ihres Lebens unter den Folgen leiden wird.

Es sei daran erinnert, dass zu Beginn des Jahres 2003 in aller Welt, Amerika eingeschlossen, unzählige Millionen von Menschen durch die Straßen marschierten, um gegen den geplanten Angriff zu protestieren. Es sei ebenso daran erinnert, dass es sich bei der Behauptung, Irak hätte über Massenvernichtungswaffen verfügt, um eine glatte Lüge gehandelt hatte. Der damalige Außenminister Colin Powell erklärte in einem im Jahr 2007 gegebenen Interview, dass er in einem mehrstündigen Gespräch versucht hatte, den damaligen Präsidenten Bush davon zu überzeugen, Irak nicht anzugreifen. Insbesondere wegen der von ihm unwissentlich vor den Vereinten Nationen vorgetragenen Lügen bezüglich Iraks Massenvernichtungswaffen, denen er anfangs offensichtlich selbst zum Opfer fiel, legte Colin Powell am 15. November 2004 sein Amt als Außenminister nieder. Was jedoch zu wesentlich mehr Verwunderung führen sollte als Joe Bidens Zweifel an der Korrektheit dieses Angriffskrieges gegen den Irak, ist die Tatsache, dass die internationale Presse diese Aussage weitgehend ignoriert.



Insbesondere die Erwähnung in diesem Artikel bei der internationalen Presseagentur AFP sollte erwarten lassen, dass diese Aussage von den Medien Beachtung findet. Die Suche bei Google-News auf deutsch, englisch, französisch und spanisch brachte lediglich eine extrem kurze Meldung bei The Voice of Russia und einen Artikel bei Radio Havanna zutage. Abschließend sei noch erwähnt, dass es sich bei der Kernaussage des vorliegenden Beitrages um die Frage der mangelnden Berichterstattung handelt und nicht um die Weitergabe der Meldung von AFP.


AddThis

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen