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Freitag, 15. April 2011

Israelische Botschaft in Kairo belagert


Anmerkung der Biz-Herausgeber: Die westliche Presse und selbst Al Jazeera haben es versäumt, von der heutigen Demonstration auf dem Tahrirplatz in Kairo zu berichten. Tausende Ägypter marschierten vom Platz zur israelischen Botschaft und forderten, dass die Militärregierung die diplomatischen Beziehungen zu Israel angesichts der neuen Angriffe auf Gaza durch die IDF abbricht. Israel behauptet, dass ein Schulbus in dieser Woche von einem Mörser unter Beschuss genommen wurde, so dass es für die Armee
notwendig sei, mit Panzern, Helikoptern, Raketen und der Verstärkung der nächtlichen Bombenangriffe, die seit Monaten stattfinden, zu antworten.

Skeptiker bezweifeln Israels Behauptung von einem Angriff aus Gaza, indem sie auf Israels Neigung für fabrizierte Drohungen und bizarrer Wahl der Waffen verweisen. Laut einer US-Geheimdienstquelle, die seit Jahrzehnten mit Israel zusammenarbeitet:

„Israel benutzt den 'Mörser-Angriff' immer häufiger. Jede kleine Sprengstoffladung kann in einen Mörserangriff verwandelt werden, sogar eine Handgranate. Man braucht nur ein paar Metallstücke auszustreuen – die billigste und schmutzigste 'getürkte' Anklage, und Israel hat das dutzende Male gemacht.
Hamas hat Mörser sowie tausende RPG's (Panzerfäuste). Das sind die Waffen für Fahrzeuge. Zu sagen, dass jemand mit einem Mörser auf einen Bus schoss, ist einfach idiotisch. Wenn Gaza die Waffen hat, wie Israel behauptet – russische Kornet und RPG's, die mit Leichtigkeit Israels Merkava Panzer zerstören können, wie Hisbollah bewiesen hat, dann wird die 'Schulbus' Geschichte noch absurder.

EXKLUSIV VIDEO VON HEUTE
http://youtu.be/u6jC4gCGH4s


Hintergrund: Die ägyptische anti-israelische Gegenreaktion

Heute, am 8. April vor 41 Jahren, hat die israelische Luftwaffe das Dorf Bahr el-Baqar – ein kleines ägyptisches Dorf nahe dem Suez-Kanal angegriffen. Das Ergebnis des Angriffs war eine total zerstörte Grundschule voller Kinder. Fünf Bomben und zwei Luft-Boden-Raketen trafen die einstöckige Schule. Von den 130 Kindern wurden 46 getötet und über 50 verwundet, viele behindert fürs Leben.

Jener tragische Tag markierte die erste Begegnung des ägyptischen Volkes mit der Brutalität und der wahllosen Aggression der Israelis, die unschuldige und unbewaffnete Zivilisten angreifen. Dieser Luftangriff zerstörte nicht nur eine Schule, sondern auch die restliche Hoffnung, Israel als einen freundlichen Nachbarn anzusehen.

Von da an war Israel der absolute Feind in den Augen jedes durchschnittlichen Ägypters.

Dieser terroristische Angriff auf ägyptische Schulkinder ist tief eingegraben in die Erinnerung aller Ägypter. Und um sicher zu gehen, dass niemand vergisst, was Israel an dem Tag begangen hat, haben die Ägypter den 8. April zu einem Trauertag um die getöteten Schulkinder in Bahr el-Bakar gemacht, der Jahr für Jahr gefeiert wird. Nur dieses Jahr war es völlig anders.

Ägyptisch-israelische Beziehungen in den vergangenen 40 Jahren

Ägypten ist gerade aus seiner weltweit gefeierten Revolution aufgetaucht, der es gelang, den lang an der Macht sitzenden Diktator Hosni Mubarak zu stürzen.
So viele Dinge geschahen in Ägypten seit jenem israelischen Angriff am 8. April 1970.

*Ägypten vergalt die Jahre israelischer Aggression und politischer Arroganz im glorreichen Oktoberkrieg 1973.
* Präsident Sadat unterzeichnete – auf seine Initiative hin – einen Friedensvertrag mit Israel 1979 (der auf dem Camp David Abkommen basierte), dem es nie gelang, die Beziehungen zwischen Ägyptern und Israelis natürlich zu gestalten.
* Mubarak herrschte in Ägypten seit 1980 und begann eine lange Ära, in der er nicht nur die Bedingungen des Friedensvertrags einhielt, sondern auch als engster Freund Israels und des Weißen Hauses im Nahen Osten handelte.
* Mubarak half vermittels seiner korrupten Herrschaft Israel, seine schamvolle Belagerung von Gaza zu verschärfen, und belieferte Tel Aviv auch mit Naturgas, das sie für die Produktion von Energie und Elektrizität benötigten, zu einem Preis weit unter der Rate des Weltmarktes (wobei er sich selbst bereicherte). Aber sein meist geschätzter Beitrag für das Zionistenregime in Israel war die vollständige ägyptische Aufgabe aktiver Beteiligung an Schlüsselfragen des arabisch-israelischen Konfliktes.

Gaza abermals unter Feuer

In jüngster Zeit brach wieder Unruhe an der Grenze zwischen Israel und Gaza aus. Am 8. April wurden fünf Palästinenser bei einem israelischen Luftangriff auf Gaza getötet und 45 verwundet, im Gefolge eines Angebots der Feuereinstellung seitens der Hamas nach verstärkter grenzüberschreitender Gewalt, die von Israel stark verniedlicht wurde. Der Welt wurde der Schulbusangriff mit einer primitiven handgemachten Rakete als 'selektiver' palästinensicher Angriff verkauft – eine Spezialität Israels, die man seit dem Bahr el-Baqar Schulmassaker meisterhaft beherrscht.

Und wieder begann das erwartete Schauspiel von einem unverhältnismäßigen israelischen Angriff auf Zivilisten und Kinder in Gaza, wobei die zivilisierte Welt wie gewöhnlich schwieg und wegschaute. Die Welt ist taub und schmerzlich unempfindlich gegenüber den Verbrechen Israels gegen die arabischen Palästinenser in Gaza und in West-Jordanland geworden.

Und nun hat auch Richter Richard Goldstone klein beigegeben und Abstand genommen von seiner Verurteilung der israelischen Verbrechen im Krieg gegen Gaza 2009; die Welt scheint ein öder Platz für die Palästinenser geworden zu sein, verlassen von allen freien Stimmen, die gegen die israelischen Unverschämtheiten auftreten.

Und da, als die Palästinenser in Gaza dachten, sie müssten den erneuten israelischen Angriffen allein mit dem Rücken zur Wand standhalten, fanden sie, dass sie in all den Jahren vergessen hatten, dass sie Brüder in Ägypten hatten, die nicht nur bereit waren, sie in ihrem Kampf gegen Israel zu begleiten, sondern ihnen auch den Rücken freizuhalten.

Botschaft unter Belagerung

Am selben Tag, als die Ägypter am 8. April auf dem Tahrirplatz demonstrierten und verlangten, dass Mubarak und seine engsten Mitarbeiter vor Gericht gestellt würden und dann die Nachricht von den israelischen Angriffen auf Gaza auf dem Platz im Herzen von Kairo eintraf, machten sich Tausende sofort auf den Weg zu dem Viertel mit der israelischen Botschaft.

Die Ägypter wurden zurückgehalten – von dem Militär – in die Botschaft selbst einzudringen; das Militär bildete praktisch um das gesamte Botschaftsgelände einen riesigen menschlichen Schild. Die erbosten Demonstranten schwenkten die Fahnen von Ägypten und Palästina und hielten große Poster von der al Aqsa Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem hoch.

In einem live-Bericht von Al Dschasira - der seltsamerweise nicht gezeigt wurde - gaben einige Demonstranten ihrem Ärger über die jüngsten israelischen Angriffe auf Gaza Ausdruck und verlangten nichts weniger, als den Botschafter aus Ägypten rauszuwerfen und die israelische Flagge vom Botschaftsgebäude zu entfernen.

Einige Demonstranten gingen so weit, das unmittelbare Ende von der Gaza auferlegten Belagerung auf ägyptischer Seite zu verlangen und das Einfrieren der Gaslieferungen an Israel.
Aber die mutigste Forderung vieler Protestler war, ein öffentliches Referendum zu fordern, um das ägyptische Volk seine Meinung zu dem von Präsident Sadat vor 30 Jahren unterzeichneten Friedensvertrag sagen zu lassen.

Inmitten der überwältigenden Atmosphäre des Antogonismus zu Israel und seines unannehmbaren und unmenschlichen Krieges der ethnischen Säuberung von Palästinensern, blieb der israelischen Botschaft im obersten Stock des Gebäudes auf der anderen Seite des Nils gegenüber dem Tahrirplatz keine andere Wahl, als alle Lichter abzublenden und sein Personal zu verstecken.

Während die ägyptische Menge auf der Straße immer noch gewaltig rund um die Botschaft anschwoll, der Enthusiasmus immer mehr stieg unter dem Singen von Liedern von ewiger Solidarität mit den Palästinensern, wurden die Lichter der Botschaft völlig gelöscht, so dass auch die israelische Fahne unsichtbar wurde.

In dieser Nacht des 8. April, am gleichen Tag des Massakers in Bahr el-Baqar, schien die israelische Botschaft in Kairo unter Belagerung zu stehen.

Es muss eine furchtbare Nacht für die israelischen Diplomaten in Kairo gewesen sein, aber wenigsten haben sie, wenn auch nur für wenige Stunden, erfahren, wie es sich anfühlt, verletzlich und bedroht unter einer Belagerung zu sein.

Diese öffentliche Zurschaustellung der ägyptischen Wut und Unwillens über Israels aggressive Politik gegen die Palästinenser mag von den Mainstreammedien nicht berichtet werden, aber sie wird nicht unbemerkt von den Analytikern des arabisch-israelischen Konflikts bleiben in der Ära nach Mubarak, denn was in dieser Nacht des 8. April 2011 geschah, kann eine Szene aus den kommenden ägyptisch- israelischen Staatsangelegenheiten sein.

An diesem Gedenktag: Mögen die Seelen der unschuldigen ägyptischen und palästinensichen Kinder, die von der verbrecherischen, israelischen Armee massakriert wurden, in Frieden ruhen.



Danke Tlaxcala
Quelle: http://sabbah.biz/mt/archives/2011/04/09/breaking-news-israeli-embassy-in-cairo-under-siege/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed:+SabbahsBlog
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 09/04/2011
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=4557

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