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Dienstag, 14. Dezember 2010

"Wenn die Regierung nicht stürzt, ist der Teufel los"

 

Vermummte Demonstranten attackierten Banken

Rom (APA) - Rund 40 Personen sind am Dienstag bei gewaltsamen Studentenprotesten in Rom verletzt worden. Gruppen von vermummten Anarchisten ("Black Blocks") randalierten in der Innenstadt, setzten Autos in Brand und griffen Bankfilialen an. Mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt. Die gewalttätigen Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Tränengasgranaten und Knallkörpern und gingen mit Stöcken auf sie los. Mehrere Kaufleute mussten ihre Geschäfte schließen. 

 
Cirka zehn vermummte Jugendliche drangen in die Büros des Zivilschutzes ein und schlugen Fensterscheiben ein. Die Randalierer skandierten Slogans gegen die Regierung Berlusconi. Einige gewaltsamen Gruppen versuchten, bis zur Abgeordnetenkammer vorzudringen, wurden jedoch von der Polizei aufgehalten.

Zehn Studenten wurden festgenommen

Auf der zentralen Via del Corso kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Polizisten. Dabei wurden drei Carabinieri und ein Demonstrant leicht verletzt. Mindestens zehn Studenten wurden festgenommen. Tausende Studenten beteiligten sich an vier Protestzügen in Rom. Einige vermummte Demonstranten griffen eine Bankfiliale an und warfen Tränengas und Knallkörper gegen die Polizisten. "Wenn die Regierung nicht stürzt, ist der Teufel los", skandierten die Demonstranten. Die Polizei hinderte die Studenten daran, bis zum Parlament zu ziehen. Hier fand die Vertrauensabstimmung statt, die über die Zukunft der Regierung Berlusconi entscheidet.


Die Studenten gingen auch in Mailand auf die Straßen. Eine Gruppe aus etwa 50 Demonstranten löste sich vom Protestzug und drang in den Sitz der Mailänder Börse ein. Hier rollten die Protestierenden Spruchbänder mit Slogans gegen die Finanzwelt aus. Der Stadtverkehr kam im Mailand wegen des Protests zum Erliegen. Gruppen von Studenten, die sich in Turin an einem Protestzug gegen die Reform beteiligten, bewarfen einige Büros des Bildungsministeriums mit Eiern.Die Universitätsreform ist vom Parlament bereits verabschiedet worden. Sie sieht vor allem beträchtliche Einsparungen im Universitätsbereich vor. Im Reformpaket heißt es, dass fünf Professoren, die pensioniert werden, jeweils nur durch eine Person ersetzt werden sollen.

Die Doktoranden beklagen sich darüber, dass in den vergangenen Monaten tausende Studienstipendien gestrichen worden seien.Universitäten sollen künftig eigene Manager für den Finanzbereich bekommen. In der Reform ist auch das Prinzip der Autonomie der Universitäten verankert, die eine größere Verantwortung im finanziellen, wissenschaftlichen und didaktischen Bereich übernehmen sollen. Mit der Universitätsreform will die Regierung Berlusconi die Zahl der Professoren pro Student reduzieren. Die Kosten der veralteten italienischen Universitäten seien zu hoch. Allein im kommenden Jahr will die Regierung im Universitätsbereich 700 Millionen Euro einsparen. Die Studenten warnen vor einer Privatisierung des italienischen Universitätssystems.

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