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Mittwoch, 15. Dezember 2010

Rom: 90 Verletzte bei Straßenschlachten

Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein.
Demos nach Berlusconis Verbleib eskalierten
Rom - Mit gewaltsamen Protesten haben Tausende Demonstranten in Italien auf den Erfolg des umstrittenen Ministerpräsidenten Berlusconi bei einem doppelten Misstrauensvotum reagiert. Gruppen vermummter Protestierer zündeten in Rom Autos an, zertrümmerten Schaufenster und bewarfen Polizisten mit Feuerwerkskörpern und Farbbeuteln. Die Polizei setzte Tränengas ein. Dabei wurden circa 90 Personen verletzt.

In einigen Straßen lagen am Abend dichte Tränengas-Wolken, und zahlreiche Geschäftsinhaber schlossen vorzeitig ihre Geschäfte. Auf der Piazza del Popolo mussten Feuerwehrleute ausrücken, um mehrere brennende Autos zu löschen. Ein von Demonstranten attackierter Polizist griff zur Dienstwaffe, um sich zu verteidigen.

Berlusconi hat die Vertrauensabstimmung knapp gewonnen.
Slogans gegen Berlusconis Regierung

Etwa zehn vermummte Jugendliche drangen in die Büros des Zivilschutzes ein und schlugen Fensterscheiben ein. Die Randalierer skandierten Slogans gegen die Regierung Berlusconi. Einige gewalttätige Gruppen versuchten, bis zur Abgeordnetenkammer vorzudringen, wurden jedoch von der Polizei aufgehalten.
Roms Bürgermeister Alemanno verurteilte die Ausschreitungen. Die Krawalle seien von organisierten Gruppen sorgfältig geplant worden. "Seit den Siebziger- und Achtzigerjahren hatte man in Rom keine derart gewaltsamen Proteste mehr gesehen", kommentierte Alemanno.

Sowohl im Senat als auch in der Abgeordnetenkammer bestand der 74-jährige Berlusconi am Dienstag die für seine politische Zukunft entscheidende Vertrauensabstimmung im Parlament. In der Abgeordnetenkammer, in der die Oppositionsparteien einen Misstrauensantrag eingereicht hatten, musste Berlusconi um jede Stimme kämpfen. Bei der Abstimmung sprachen ihm 311 Parlamentarier das Misstrauen aus, 314 votierten gegen den Antrag. Damit kann der seit Mai 2008 amtierende Berlusconi weiterregieren. Seine Mehrheit ist jedoch hauchdünn.

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