Aktuell

Dienstag, 14. Dezember 2010

Zu Guttenberg mit Goebbels verglichen

 
 
Mit den Worten "Guttenberg nimmt in Afghanistan ne Talkshow mit Kerner auf – da kann Goebbels sich propagandamäßig noch was abkucken!" wird Thomas Diehl unter anderem vom Kölner "Express" zitiert. Die Äußerungen des Ratsherren der Stadt Mönchengladbach wurden unter seinem Twitter-Account veröffentlicht und bislang auch nicht dementiert. Politiker der CDU forderten daraufhin eine Entschuldigung und eine Distanzierung der Grünen von ihrem Parteimitglied. In seinem Blog schreibt Diehl heute, es habe sich bei seinem Goebbels-Vergleich um einen "saumäßig schlechten Satz" gehandelt, der "gar nicht gehe". Eine offizielle Entschuldigung ist auf der Seite jedoch nicht zu finden. Vielmehr wird Guttenberg in dem Blog als "erster Minister in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der einen Krieg in solcher Weise mit Propaganda unterfüttert" bezeichnet.

Joseph Goebbels war während des Dritten Reichs einer der einflussreichsten Politiker des Nazi-Regimes und enger Vertrauter von Adolf Hitler. Mit seinen ausgefeilten Propaganda-Maßnahmen gelang es ihm, große Teile der deutschen Bevölkerung für den Nazi-Terror und die Vernichtungskriege im Osten Europas zu begeistern. Seit seiner berühmten Rede im Berliner Sportpalast, in der er die jubelnden Massen von Nazi-Parteigängern mehrmals auf den "Totalen Krieg" einschwört, gilt Goebbels als einer gefährlichste Demagogen aller Zeiten. Weniger Tage vor dem Ende des Dritten Reichs beging er im Führerbunker in Berlin Selbstmord.
Guttenberg hatte am Montag erstmals gemeinsam mit seiner Ehefrau die deutschen Truppen in Afghanistan besucht. Er wurde von Moderator Johannes B. Kerner begleitet, der mit dem Verteidigungsminister im nordafghanischen Bundeswehr-Camp Masar-i-Scharif die Sat.1-Talksendung "Kerner" aufzeichnete. Prominente Politiker von SPD, Grüne und Linke hatten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gestern Selbstinszenierung auf Kosten der Soldaten vorgeworfen. Die CDU hingegen nahm Guttenberg in Schutz. Nach Angaben der Bundesregierung geht die Mitreise der Ministergattin nicht zu Lasten des Steuerzahlers: Stephanie zu Guttenberg bezahle ihre Reisekosten selbst.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte den Afghanistan-Besuch Guttenbergs und seiner Ehefrau "absolut unangemessen". Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung": "Guttenberg nutzt die Bundeswehr als Kulisse und Dekoration für seine Inszenierungen. (...) So langsam geht ihm auch jegliches Gespür ab, wo die Grenzen sind."
Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Guttenberg vor, er nutze die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i-Scharif und Kundus "für plumpe Eigen-PR". Während in Berlin über die Bilanz des bisherigen Einsatzes debattiert werde, produziere er strahlende Bilder mit Gattin im Krisengebiet. "Der extra eingeflogene Hofberichterstatter samt Fernsehstudio wird dabei für die gewünschte Verbreitung sorgen", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt".
Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sagte dem "Tagesspiegel": "Afghanistan ist das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eignet. Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig." Guttenbergs Selbstinszenierung werde dem Ernst der Lage in Afghanistan nicht gerecht. "Die Soldaten werden so gleich doppelt missbraucht: für einen falschen Krieg und nun auch noch als Staffage auf den heimatlichen Bildschirmen."
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nahm Guttenberg in Schutz: Er sei überzeugt, dass die Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Familien den Besuch auch der Frau des Ministers als Geste der menschlichen Solidarität verstünden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen