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Samstag, 3. Januar 2015

Wikipedia: Informationsquelle oder Wahrheitsministerium?

Das Onlinelexikon Wikipedia ist 2001 angetreten, um ein freies Nachschlagewerk und Informationsmedium im Internet aufzubauen. Freie und wahrhaftige Informationen sind die Grundlage einer jeden demokratischen Gesellschaft freier und selbstbestimmter Bürger. Das Projekt Wikipedia ist deshalb als Informationsquelle in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen. Milliarden Menschen nutzen es – mehrheitlich im Glauben, dort wahrhaftig und möglichst umfassend informiert zu werden.

Dass dem nicht immer so ist, dass in der Wikipedia viel PR und politische Propaganda verbreitet wird, dass dort ein täglicher Kampf um Wahrheit und Bedeutung stattfindet, ist nicht wirklich neu. In Zeiten, in denen Kriege weniger mit Waffen aus Eisen und Stahl, als mit Waffen aus Bits und Bytes ausgefochten werden, hat Wikipedia die Bedeutung eines Herrschaftsinstruments erlangt und es kann kein Zweifel bestehen, dass die Herrschenden mit allen Mitteln versuchen, dort Einfluss zu erlangen, um Wahrheit und Bedeutung von Informationen in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Im März berichtete Paul Schreyer in einem Artikel auf Telepolis über seine kafkaesken Erfahrungen mit den Wahrheitshütern der Wikipedia. Sein Bemühen, dort wahrhaftige und wichtige Informationen über 911 zu veröffentlichen, die die offizielle, staatlich-abgesegnete Form der Wahrheit hinterfragten, erwies sich als Kampf gegen Windmühlen. Schreyers Fazit:
Die Verfechter der “reinen Lehre” dort leisten der Online-Enzyklopädie letztlich einen Bärendienst, denn die Glaubwürdigkeit von Wikipedia insgesamt droht Schaden zu nehmen. …
Doch unabhängig davon, was die “Betreuer” des 9/11-Wikipedia-Artikels nun motiviert – unterstellt sei einmal ehrliches Bemühen um Faktentreue -, vom Ziel einer ausgewogenen und reflektierten Darstellung, sowie einem offenen und fairen Umgang mit Kritik ist man jedenfalls weit entfernt. (LINK)
Der Kampf um Wahrheit und Information in der Wikipedia beginnt jedoch schon eine Stufe früher. Dort nämlich, wo Gralshüter sich anmaßen, zu entscheiden, was für die Menschen dieser Welt überhaupt als Wikipedia-Eintrag wichtig ist und was nicht. Ihr Kampfbegriff lautet: enzyklopädische Relevanz.
Wie dieses Machtinstrument benutzt wird, kann man derzeit am Beispiel der “Ständigen Publikumskonferenz” sehen. Der eingetragene Verein, der sich der Kontrolle der öffentlich-rechtlichen Anstalten verschrieben und bereits eine Vielzahl wichtiger und gut begründeter Programmbeschwerden eingereicht hat, wurde von selbsternannten Gralshütern dessen, was das Volk wissen darf und was nicht, auf den Status eines Löschkandidaten gesetzt. Begründung:
“die agenda des kleinen vereins mag berechtigte punkte abdecken, enzyklopäsche relevanz ergibt sich daraus aber nicht.”(LINK)
Nun ist den Lesern der Propagandaschau bekannt, dass Maren Müller als Mitinitiatorin der “Ständigen Publikumskonferenz” auch gelegentlich hier im Blog Beiträge veröffentlicht. Daraus zu schließen, dieser kritische Beitrag über den sich anbahnenden Zensurvorgang in der Wikipedia, sei eine Parteinahme für eine befreundete Mitstreiterin, ist jedoch zu kurz gedacht. Genauso wenig, wie wir hier Partei für Telepolis ergreifen, wenn wir Paul Schreyers Artikel in Erinnerung rufen, ergreifen wir hier Partei für die “Ständigen Publikumskonferenz”.
Es geht hier – wie immer – um nichts anderes, als um die Veröffentlichung von Desinformation, Propaganda und Zensur. Und die Löschung der “Ständigen Publikumskonferenz”, die durch ihre Arbeit ohne jeden Zweifel massiv und positiv in die öffentlich-rechtlichen Anstalten hineinwirkt, aus der Wikipedia, wäre schon ein ziemlich groteskes Schurkenstück. Auch wenn die Verantwortlichen in den ÖR sich alle Mühe geben, die Programmbeschwerden der “Ständigen Publikumskonferenz” regelmäßig abzubügeln, so wirkt allein das Wissen bei den Redakteuren, um das Dasein einer zivilgesellschaftlichen Kontrollinstanz in die Redaktionsstuben hinein. Auch wenn es nicht nach Außen dringen mag, aber so eine gut begründete Programmbeschwerde mit entsprechender Aufmerksamkeit und Arbeitsaufwand fangen sich die Meinungsmacher in den ÖR sicherlich nicht gerne ein. Nicht auszuschließen, dass der Versuch, die “Ständigen Publikumskonferenz” aus der Wikipedia zu löschen, deshalb genau aus dieser Ecke kommt.
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1 Kommentar:

  1. Am 24.09.2015 ist eine Petition gegen Anonymität und Zensur in der Wikipedia gestartet worden, die sich an die Wikimedia Foundation richtet:

    https://www.change.org/p/transparenz-auf-wikipedia-wikitransparenz

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