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Dienstag, 13. Januar 2015

Ich bin nicht #Charlie #Hebdo. Je ne suis pas Charlie Hebdo. I am not Charlie Hebdo.


Ich bin nicht Charlie Hebdo, obwohl ich für Satire ausreichend Sympathien hege und Freiheit über alles liebe. Religiöse Gefühle anderer zu verletzen, ist aber nicht meine Sache. Soweit zur Klarstellung. Die von extremen Linken geleitete Pariser Zeitschrift war in der Vergangenheit ja nicht nur in Sachen Islam unzweifelhaft so etwas wie ein „Agent Provocateur“. Das kryptokommunistische Flagschiff eines überbordenden Linksliberalismus hatte auch vor anderen Glaubensinhalten wenig Respekt. Vielleicht mit einer Ausnahme.

Das hat natürlich nichts mit Geschmacksache zu tun, aber sehr viel mit politisch-ideologischer Strategie unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung, die überall dann und dort erlaubt wird, wenn und wo damit die Säulen des Systems nicht in Gefahr gebracht werden können. Nicht nur in Frankreich. Deshalb sollte man auch des eher unerfahrenen österreichischen Außenministers Worte, der Angriff stelle “einen Angriff auf unsere Grundwerte dar, auf unsere Presse- und Meinungsfreiheit, die wir in Europa genießen”, nicht allzu ernst nehmen.

Die vorgeblichen Verteidiger der Freiheit in Staat und Gesellschaft, die jetzt mit Charlie Hebdo ihr politisches Kleingeld wechseln, hätten für dieses kostbare Gut schon wesentlich früher auf die Straße gehen können. Auch in den Globalisierungsopferstaaten Österreich und Bundesrepublik Deutschland.

Es klingt doch angesichts der allgemeinen Faktenlage wie ein Hohn, wenn der Kommentator eines in moralischer und qualitativer Hinsicht drittklassigen österreichischen Blattes erläutert, warum wir alle Charlie Hebdo sein müssen oder eine Journalistin einer einst vom CIA gegründeten österreichischen Tageszeitung sich erfreulicherweise ebenfalls übermäßig stark für die Meinungsfreiheit stark macht, die, wie sie meint, verteidigt werden müsse.

Haben die beiden denn jemals eine einzige bescheidene Zeile dem Schicksal politischer Häftlinge in deutschen Landen gewidmet, deren Inhaftierung wegen politisch unkorrekter Meinungsäußerung beklagt? Nicht aus Solidarität mit diesen, das verlangt niemand von ihnen, sondern, im Sinne Voltaires[1], im Einklang mit der von ihnen hochgepriesenen Meinungsfreiheit dazu stehend. Dieselbe Freiheit sie ja ihren Kollegen von Charlie Hebdo uneingeschränkt zugestehen.

Das nun inszenierte Staatsspektakel in Frankreich, wo politisch Andersdenkende ja auch verfolgt, an den Pranger gestellt und vor den Kadi gezerrt werden können, ist aus verschiedenen Gründen wenig überzeugend. Und Premier Manuel Valls` Appell an eine „dauerhafte nationale Einheit“ ist schon kurz darauf Makulatur, nachdem Marine Le Pens Front National vom nationalen Gedenkmarsch ausgeschlossen wurde.

Wer mein 1996 erschienenes Taschenbuch „Der Vormarsch des Islam“ (inzwischen vergriffen) damals zu Ende las, kann über das, was in der Folge bis heute geschah, kaum überrascht sein. Dennoch ist Vorsicht angebracht, nicht alles, was „im Namen des Propheten“ geschieht, muß deshalb schon einen islamischen Hintergrund haben. Wie bei allen derartigen Verbrechen darf auch bei dem jüngsten Anschlag in Paris zuerst die Frage gestellt werden „Wem nützt er?“

Gesamtstrategisch sehe ich für IS oder Al-Kaida in dem brutalen Überfall auf eine Zeitungsredaktion keinen Sinn und auch keinen großen Gewinn, außer, daß er bei vielen Muslimen klammheimliche Freude und Zustimmung auslösen dürfte. Der Fall schadet aber vorerst eher dem Islam und den Muslimen und nützt höchstens:
  • den Hauptprotagonisten des Neue- Weltordnung-Projektes, die ihr Vorhaben voranbringen wollen,
So ein spektakulärer Anschlag könnte deshalb durchaus jener Täter-Allianz zuzurechnen sein, wie sie bereits im Falle des 11. September 2001 kolportiert wurde. Letztlich ist es zwar Vermutung, aber diese doch nicht so leicht von der Hand zu weisen.

Einfach weiter gedacht könnte man sogar PEGIDA als einen – wenn auch von der Mehrheit der Teilnehmer unerwünschten – Schachzug zu diesem von Samuel Huntington näher erläuterten Ziel eines „Clash of civilizations“[2] hin sehen. Eben ganz im Sinne jener von US-Neokonservativen beabsichtigten Errichtung einer neuen Weltordnung infolge eines Chaos, begünstigt durch entsprechende Bedingungen – wie massive Einwanderung plus Islamisierung.
 
Daß nun im jüngsten Fall schon wieder einmal kein einziger westlicher Geheimdienst im Vorfeld etwas bemerkt haben will, spricht im Falle Hebdo Charlie zwar nicht unbedingt gegen einen islamistischen Hintergrund, kann aber auch nicht ganz ausgeschlossen werden, so wenig wie, daß man Muslime dazu angeheuert und ausgebildet hätte. Merkwürdig jedenfalls, daß schon wieder Personaldokumente wie auf dem Präsentierteller liegen gelassen wurden und die zwei Attentäter rein „zufällig“ nicht mehr aussagen können.

Die westlichen Medien bedienen sich ihrer Natur gemäß natürlich ausschließlich der islamistischen Fährte. Das ist ihr Auftrag. Würden sie ihrer wahren Aufgabe nachkommen und nach beiden Seiten recherchieren, müßten sie selbstverständlich die weitere Schuldfrage stellen, und da käme dabei heraus, daß Washington mit seiner Dauerintervention nicht nur im Nahen und Mittleren Osten sowie Israel mit seinem Größenwahn, für die heutige Sicherheits- und Menschenrechtslage dort wie in Europa hauptverantwortlich sind und mit ihrem Krieg gegen den Terror diesen erst befördert haben.

Das verstärkte Aufkommen des Islamismus und den ganzen Terror bald weltweit haben wir also den beiden genannten Ländern zu verdanken. Den Islam als das herauszustellen was er uns heute scheint, dient gewiß den Interessen Washingtons und Tel Avivs, ihre dominierende Stellung auf Kosten Europas und islamischer Länder zu festigen und weiter auszubauen.

Bei aller berechtigten Kritik am Islam und unserer Abscheu vor islamistischen Verbrechen, sollten wir eben diese Sicht nicht ganz außer acht lassen. Man hätte uns dies alles durch eine verantwortungsvolle Politik, die Menschen nicht wie Figuren am Schachbrett der Weltpolitik hin und herschiebt, ersparen können. Wir nehmen das hin, Islamisten anscheinend nicht.

Das westliche geistig-moralische Elend, dem eben immer mehr Muslime nichts abgewinnen können, hat der wichtigste Ideologe des modernen Islamismus, Saiyid Qutb, bereits 1966! so treffend skizziert: Die Welt taumle heute am Rande eines Abgrunds. Schuld daran sei der Westen mit seinem Abgleiten in einen seelenlosen Materialismus. Mit seinem Verrat an der christlichen Religion und seinem schrankenlosen Konsum sei er zum sicheren Untergang verurteilt, so Qutb, der, wie andere islamische Denker auch, eine neue Ordnung in ihren Heimatländern erstrebten, aber keineswegs einen Krieg gegen den Westen bzw. auf dessen Boden.

Diesen Krieg könnten wir bald im Großformat haben, wenn die Strategen im Westen – mit ihren der Dekadenz anheimgefallenen offenen Gesellschaften –  ihr Ziel mit allen Mitteln, auch jenen des Terrors, weiter verfolgen. Und Frankreich bekäme, in Vorwegnahme Michel Houellebecqs Roman-Vision einer „Soumission“ (Unterwerfung[3]), früher als gedacht einen muslimischen Präsidenten.
 

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß alle für unsere verheerende Lage verantwortlichen Politiker, und zwar rückwirkend, noch vor den hier tätigen islamistischen Gewalttätern, auf die Anklagebank gehörten.

[1] ”Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zuletzt darum kämpfen, daß Sie es sagen dürfen“.
[2] Samuel P. Huntington: "Kampf der Kulturen", 1998, Siedler
[3] Erscheint demnächst auf deutsch. [hier] und [hier]

Helmut Müller, Wien



http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/ich-bin-nicht-charlie-hebdo-je-ne-suis-pas-charlie-hebdo-i-am-not-charlie-hebdo

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