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Montag, 14. März 2011

Japanischer Nebelwerfer

Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation : Yukiya Amano

IAEO-Chef Yukiya Amano war in den ersten drei Tagen der Krise untergetaucht!
Es gibt eine von der internationalen Gemeinschaft eingerichtete und mit den Steuergeldern der Mitgliedsländer finanzierte Behörde für Atomfragen, die Internationale Atomenergieorganisation IAEO in Wien. Reaktorsicherheit und, im schlimmen Fall, Reaktorunfälle, sind nur zwei Aspekte ihrer Arbeit, aber, sollte man meinen, solche, die auf der Prioritätenliste ganz weit oben stehen.

Die IAEO hat einen Generaldirektor, und der ist wohl (auch) so etwas wie ein Gesicht dieser Organisation nach außen: Seinen Namen wird man allerdings in den medialen Berichten über die Geschehnisse in Japan von Samstag bis Montag vergeblich suchen. Denn er war untergetaucht.

Halt, ganz stimmt das nicht, Yukiya Amano trat Samstagabend via You-tube (sic!) an die Öffentlichkeit und sagte in 4 Minuten, 22 Sekunden sinngemäß, dass, bei all seiner Traurigkeit und Sorge, in Japan soeben die Effektivität der Sicherheitsvorkehrungen für Kernreaktoren vorgeführt werde. Die zweite Hälfte der Zeit las er etwas vor, was wie der IAEO-Eintrag in einem Organisationenhandbuch klang.


Vielleicht kommuniziert der IAEO-Generaldirektor demnächst nur noch über Facebook und freut sich über seine "Freunde" - die zwar, wie in Youtube, ihre Kommentare hinterlassen können, aber deren Fragen man nicht beantworten muss. Vielleicht meint ja Amano selbst, seine persönliche Präsenz in so einer Krise in der Weltöffentlichkeit sei überflüssig.

Keine Missverständnisse: Die IAEO kann und soll nichts sagen, was sie nicht selbst weiß, sie ist von der Informationspolitik der einzelnen Mitgliedsländer abhängig. Wenn also der japanische Diplomat Amano tatsächlich, wie er auf You-tube am Samstag sagte, in "enger Verbindung mit den japanischen Behörden" war, dann betätigte er sich demnach entweder selbst als Nebelwerfer, oder die japanischen Behörden ließen auch ihn, salopp gesagt, blöd sterben. Dann wäre eine diplomatische Aufforderung des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde an Japan, diese prontissimo zu informieren, angemessen gewesen. Und zwar nicht auf Youtube, sondern in einer in der IAEO einberufenen großen Pressekonferenz, inklusive Journalistenfragen.
Eine Pressekonferenz wurde am Montagvormittag für Montagabend angekündigt. Mindestens zwei Tage zu spät. Oder anders gesagt: Die Montag-Pressekonferenz sollte bereits die dritte sein. Die Weltöffentlichkeit dürfte erwarten, dass sie unter diesen Umständen täglich vom IAEO-Chef oder einem Vertreter informiert wird.

Warum Amano so agiert, sei dahingestellt, es hängt einerseits bestimmt mit dem IAEO-Selbstverständnis als Lobbyistin für zivile Kernenergie zusammen, das schwer erschüttert sein dürfte, und ist andererseits gewiss auch eine Frage des persönlichen Temperaments. Aber es ist eine Tatsache, dass Amano und die japanische Diplomatie den IAEO-Chefposten für ihn 2009 sozusagen ertrotzt haben, lange musste er für seine Bestellung kämpfen. Befürchtungen, dass er sich nicht gerade als ein Champion der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit erweisen würde, gab es schon damals.

Die Folge der mangelnden Kommunikationsfähigkeit des IAEO-Chefs: Die Expertenerklärungen und Szenarien, die von der IAEO hätten kommen sollen, mussten sich die Medien mühsam zusammensuchen. Die IAEO sollte sich Kritik darüber, dass da vielleicht nicht nur Hochprofessionelles kursiert, dringend verkneifen.

Quelle: derstandard.at

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